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Pressespiegel

Das iPad macht Schule


Apple ruft die nchste Medienrevolution aus. Zumindest die deutschen Verlage bleiben zurckhaltend. Nicht nur die Finanzierung ist problematisch.

Die Schler schauen gebannt auf ihr iPad. Mit einem Fingerstrich greift ein Mdchen in die Zellteilung unter dem Elektronenmikroskop ein. Einen Klick weiter markiert sie eine Textpassage, die automatisch auf einer Lernkarte gespeichert wird. In der Schule, der Bibliothek oder zu Hause ? berall ist der Tablet-PC dabei. Die Schler sind sichtlich mit Spa bei der Sache. So jedenfalls stellt Apple die Zukunft des Lernens in einem Werbefilm fr sein neuestes Projekt dar.

Der Technologiekonzern will in den Handel mit elektronischen Schulbchern einsteigen. In New York stellte Apple eine neue Version seines kostenlosen Programms ?iBooks? vor. Mit der App sollen Schler und Studenten digitale Lehrbcher auf ihr iPad laden. Mit mehreren Verlagen wie Pearson, McGraw-Hill Education und Houghton Miffin Harcourt wurden Vertrge abgeschlossen, um digitale Schulbcher fr das iPad zu verkaufen. Die E-Books fr die Schule sollen maximal 15 Dollar kosten. Hat das klassische Schulbuch also bald ausgedient?

In Berlin werden bereits Erfahrungen gesammelt, wie gut ein Tablet-PC wie das iPad in den Schulalltag passt. Im November startete an der Poelchau-Oberschule in Charlottenburg-Wilmersdorf die erste iPad-Klasse. Die Schule wurde wegen ihrer Sportbetonung ausgewhlt. ?Die 19 Schler der Klasse 7s2 sind hufig im Training und bei Wettkmpfen, darum eignet sich diese Klasse besonders fr den Modellversuch?, sagte Markus Kuschela, der Geschftsfhrer der Einrichtung ?Cids! ? Computer in die Schulen?, die das auf vier Jahre angelegte Projekt begleitet. Das iPad2 sei das erste Gert, das die Voraussetzungen fr den Schuleinsatz erfllt. Mit zehn Stunden Laufzeit hlt es einen ganzen Schultag durch, es ist sofort startbereit und erlaubt es, viel Schulstoff sehr schnell zu nutzen.

Simone Lssig, Direktorin des Georg-Eckert-Instituts fr internationale Schulbuchforschung in Braunschweig, glaubt, dass Apple die ?digitale Revolution des Bildungsmedienmarktes? langfristig vorantreiben knnte. Bisher htten Verlage enorme Entwicklungskosten, die sich aber bislang nicht rentierten. Mit der kostenlosen Autorensoftware des Computergiganten falle fr die Verlage ein wesentliches Hindernis beim Einstieg weg. Auch fr Schler biete die neue Software Vorteile: ?Interaktive Schulbcher sind fr Kinder attraktiv und motivierend, sie werden in ihrer Lebenswelt abgeholt.? Lssig rechnet allerdings nicht damit, dass Schulbcher auf Tablets bald Alltag in deutschen Klassenzimmern werden. Fraglich sei vor allem, ob die Kultusminister flchendeckend Tablet-Computer finanzieren wrden. Offen ist auch, inwieweit digitale Schulbcher das Lehren und Lernen verndern und Einfluss auf Chancengleichheit im Bildungssystem nehmen knnten. Nicht alle Schler brchten die ntigen Kompetenzen im Umgang mit Computern von zu Hause mit, wird eingewandt.

Aus der Berliner Schulverwaltung heit es dazu, Tablet-PCs gehrten derzeit nicht zu den Lernmitteln, die das Land Berlin den Schlern zur Verfgung stellt. Neue Entwicklungen wrden aber ?beobachtet und analysiert?. Und viele Schulen seien bereits mit Notebooks fr die Arbeit in der Klasse ausgestattet. Der Generalsekretr der Kultusministerkonferenz, Udo Michallik, betont, dass die Lnder auf Medienvielfalt setzen. ?Elektronische Medien wie E-Books, Whiteboards oder Lernprogramme sind ? klug eingesetzt ? eine gute Ergnzung zu Schulbchern.? Ebenso wichtig wie die Technik seien jedoch gut geschulte Lehrer, die neue Lernkonzepte in der Praxis umsetzen knnen, sagt Michallik. Deshalb htten die Lnder zahlreiche Projekte wie ?Schule Interaktiv? auf den Weg gebracht.
Die deutschen Schulbuchverlage wollen keineswegs eine exklusive Kooperation mit Apple oder einem anderen Unternehmen eingehen, sagt Irina Pchnatz von Cornelsen, einem der beiden grten der 86 deutschen Schulbuchverlage: ?Wir bleiben fr alle technischen Formate und Anbieter offen.? Auf der Bildungsmesse Didacta Mitte Februar werden die im Verband Bildungsmedien organisierten Schulbuchverlage eine gemeinsame Branchenlsung fr E-Books prsentieren. Details knnten noch nicht gesagt werden, die Lehrer sollen sich aber auf mehr Komfort bei der Auswahl digitaler Schulbcher freuen knnen.

Cornelsen fhlt sich vom digitalen Wandel nicht berrascht. Schon 1988 machte das Berliner Unternehmen erste digitale Angebote, seit 1995 hat es ein Online-Angebot, das stndig wchst. 300 000 Nutzer sind bei cornelsen.de registriert. Zwar sei auch jetzt noch das gedruckte Schulbuch das Hauptprodukt unter den 20 000 lieferbaren Titeln des Verlags: ?Doch mittlerweile kommen neue Lehrwerke nur noch mit digitaler Ergnzung auf den Markt?, so Pchnatz. Das reicht von Apps, ber Software fr Whiteboards, E-Learning bis zu Werkzeugen zur Leistungsmessung.

Dass das gedruckte Schulbuch schon bald aus dem Verkehr gezogen wird, glaubt man im Cornelsen-Verlag nicht: ?Nicht berall macht digitales Lernen Sinn?, sagt Pchnatz. Cornelsen geht auch fr die Zukunft von einer Medienvielfalt im Unterricht aus. Zumal mit der Digitalisierung auch keine Kostensenkung zu erwarten sei. Auch digitale Medien mssten stndig wegen neuer Methoden und neuer Lehrplne berarbeitet werden.

Jeder Schler in Deutschland sollte mit staatlicher Untersttzung einen eigenen Laptop oder einen eigenen Tablet-PC bekommen. Das fordert die Internet-Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages. Fast zwei Jahre nach ihrer Einsetzung legte die Enquete-Kommission am Freitag dem Parlament einen ersten Zwischenbericht zum Thema Medienkompetenz vor. Der Bericht der Projektgruppe empfiehlt unter anderem das staatlich gefrderte Beschaffungsprogramm, um die Medienkompetenz von Schlern und Lehrern zu frdern. ?Wenn erst jeder Schler seinen (Lern-)Computer mit in den Unterricht bringt, werden alle Beteiligten dazu gezwungen sein, sich mit dem Internet auseinanderzusetzen?, heit es in dem Bericht.

Eine zu groe Abhngigkeit von einem Anbieter befrchtet Cids-Leiter Kuschela indes nicht. ?Einer prescht vor und die Wettbewerber ziehen nach. Schlielich verkauft auch Amazon erfolgreich E-Books?, sagt er. Ob das Projekt der iPad-Klasse in Berlin Schule macht, nachdem Apple nun den Schulbuchmarkt neu erfinden will, hnge unter anderem davon ab, wie weit das mit dem E-Education-Masterplan vereinbar sei. So lange mssen auch die Berliner Sportschler zum iPad auch die herkmmlichen Bcher in ihre Taschen packen.

Quelle: http://www.tagesspiegel.de/medien/e-books-das-ipad-macht-schule/6092486.html

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